Die zweite Ausbildungsphase (WAB): Ablauf und Kosten

Die zweite Ausbildungsphase (WAB): Ablauf und Kosten im Detail

Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Phase Ihrer Führerscheinausbildung, die die theoretische und praktische Prüfung umfasst, steht für viele angehende Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz die zweite Ausbildungsphase WAB bevor. Diese obligatorische Weiterbildung, oft auch als WAB-Kurs bezeichnet, ist ein entscheidender Schritt, um Ihre Fahrkompetenz zu vertiefen und das Fahren in verschiedenen Verkehrssituationen sicherer zu gestalten. Dieser Ratgeber beleuchtet detailliert den Ablauf und die Kosten der zweiten Ausbildungsphase, damit Sie bestens vorbereitet sind.

Was ist die zweite Ausbildungsphase (WAB)?

Die zweite Ausbildungsphase ist ein integraler Bestandteil der schweizerischen Führerscheinausbildung für die Kategorien A (Motorrad) und B (Auto). Sie wurde eingeführt, um die Unfallzahlen zu senken und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Ziel ist es, Fahranfängerinnen und Fahranfänger nach Erhalt des Lernfahrausweises und vor Ablauf der Probezeit weiterzubilden und ihnen zu ermöglichen, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in einem sicheren Umfeld zu festigen und zu erweitern. Der Kurs dauert in der Regel einen Tag und ist für alle obligatorisch, die ihren Führerschein der Kategorie B seit dem 1. Januar 2005 oder der Kategorie A seit dem 1. Januar 2021 erworben haben und noch in der Probezeit sind.

Ziele der zweiten Ausbildungsphase

Die Ziele der zweiten Ausbildungsphase sind vielfältig und konzentrieren sich auf die Verbesserung der Verkehrssicherheit und die Förderung eines verantwortungsbewussten Fahrverhaltens:

  • Bewusstsein für Gefahrensituationen schärfen: Die Teilnehmenden lernen, potenzielle Gefahren im Strassenverkehr frühzeitig zu erkennen und richtig einzuschätzen.
  • Fahrtechnische Fähigkeiten verbessern: Durch praktische Übungen werden die Grundlagen des sicheren Fahrens vertieft, insbesondere in kritischen Situationen wie Notbremsungen oder Ausweichmanövern.
  • Energieeffizientes Fahren fördern: Aspekte des ökonomischen und umweltschonenden Fahrens werden thematisiert, um den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren und die Umwelt zu schonen.
  • Risikobewusstsein stärken: Der Kurs thematisiert die typischen Risiken, denen Fahranfängerinnen und Fahranfänger ausgesetzt sind, und wie diese minimiert werden können.
  • Selbstreflexion anregen: Die Teilnehmenden werden ermutigt, ihr eigenes Fahrverhalten zu reflektieren und Verbesserungspotenziale zu erkennen.

Ablauf der zweiten Ausbildungsphase (WAB)

Die zweite Ausbildungsphase ist in der Regel als Tageskurs konzipiert und findet in einer anerkannten Fahrschule statt. Der genaue Ablauf kann je nach Anbieter leicht variieren, doch die Kernbestandteile sind immer gleich:

Theoretischer Teil

Der theoretische Teil des WAB-Kurses widmet sich den Grundlagen des sicheren Fahrens und der Verkehrssicherheit. Typische Themen sind:

  • Verkehrspsychologie: Ursachen von Unfällen, Risikofaktoren, Gefahrenwahrnehmung.
  • Fahrphysik: Bremswege, Kurvenverhalten, Verhalten auf nasser oder glatter Fahrbahn.
  • Energieeffizientes Fahren: Drehzahl, Schaltpunkte, Reifendruck, vorausschauendes Fahren.
  • Verkehrsregeln und -vorschriften: Wiederholung und Vertiefung wichtiger Regeln, insbesondere im Hinblick auf Gefahrensituationen.
  • Gesundheit und Fahrtüchtigkeit: Einfluss von Müdigkeit, Alkohol, Medikamenten und Stress auf das Fahrverhalten.

Dieser Teil des Kurses ist oft interaktiv gestaltet, mit Diskussionen, Fallbeispielen und kleinen Gruppenarbeiten, um das Verständnis zu fördern und den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden zu ermöglichen.

Praktischer Teil

Der praktische Teil der zweiten Ausbildungsphase ist darauf ausgerichtet, die erlernten theoretischen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen und die Fahrkompetenz zu stärken. Hier stehen Übungen im Vordergrund, die oft auf einem abgesperrten Gelände oder einem verkehrsarmen Übungsplatz durchgeführt werden:

  • Sicheres Anfahren und Bremsen: Übungen zur präzisen Kontrolle des Fahrzeugs, insbesondere auf unterschiedlichen Untergründen.
  • Notbremsübungen: Simulieren von Gefahrensituationen, um das richtige Verhalten und die Reaktion des Fahrzeugs kennenzulernen. Dies beinhaltet oft das Bremsen aus verschiedenen Geschwindigkeiten und das Erkennen von ABS-Funktionen.
  • Ausweichmanöver: Üben, wie man sicher Hindernissen ausweicht, ohne die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren.
  • Kurvenfahren und Fahrlinien: Verbesserung der Lenktechnik und des Blickverhaltens in Kurven.
  • Fahrzeugbeherrschung in verschiedenen Situationen: Übungen, die das Fahren unter widrigen Bedingungen simulieren, wie z.B. starker Regen oder plötzliche Hindernisse.

Die Übungen werden von erfahrenen Fahrlehrern angeleitet und individuell feedbackorientiert begleitet. Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer die Übungen sicher beherrscht und daraus lernt.

Individuelle Beratung und Feedback

Ein wichtiger Bestandteil der zweiten Ausbildungsphase ist die individuelle Beratung. Am Ende des Tages erhalten die Teilnehmenden Feedback zu ihrem Fahrverhalten und ihren Fortschritten. Fahrlehrer geben Tipps, wie sie ihre Fahrweise weiter verbessern und Risiken minimieren können. Dieser persönliche Austausch hilft, Schwachstellen zu identifizieren und gezielt daran zu arbeiten.

Kosten der zweiten Ausbildungsphase (WAB)

Die Kosten für die zweite Ausbildungsphase können je nach Fahrschule und Kanton variieren. Es handelt sich um eine einmalige Gebühr, die in der Regel einen ganzen Tag Kurs (Theorie und Praxis) sowie die Kursunterlagen abdeckt.

Richtpreise und Einflussfaktoren

Für das Jahr 2026 können Sie mit Kosten zwischen CHF 300 und CHF 500 rechnen. Mehrere Faktoren beeinflussen diesen Preis:

  • Region/Kanton: In städtischen Gebieten oder Kantonen mit höheren Lebenshaltungskosten sind die Preise tendenziell etwas höher als in ländlicheren Regionen.
  • Fahrschule: Jede Fahrschule legt ihre eigenen Preise fest. Es lohnt sich daher, verschiedene Angebote zu vergleichen.
  • Inkludierte Leistungen: Manche Kurse beinhalten zusätzliche Leistungen wie Verpflegung oder spezielle Lehrmaterialien, was sich auf den Endpreis auswirken kann.
  • Fahrzeugkategorie: Die Kosten können leicht variieren, je nachdem, ob Sie den Kurs für die Kategorie B (Auto) oder A (Motorrad) absolvieren.

Wann muss die zweite Ausbildungsphase absolviert werden?

Die zweite Ausbildungsphase muss innerhalb von 12 Monaten nach Erhalt des Führerausweises auf Probe absolviert werden. Es ist ratsam, den Kurs nicht zu spät anzusetzen, um die Erkenntnisse direkt in die eigene Fahrpraxis einfliessen lassen zu können und die Frist nicht zu verpassen. Ein frühzeitiger Besuch des Kurses kann Ihnen helfen, sicherer und souveräner im Strassenverkehr unterwegs zu sein.

Was passiert, wenn die Frist verpasst wird?

Wenn die zweite Ausbildungsphase nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist absolviert wird, hat dies Konsequenzen. Der Führerausweis auf Probe wird ungültig. Um den Führerausweis zurückzuerhalten, müssen Sie nachweisen, dass Sie die zweite Ausbildungsphase nachgeholt haben. In einigen Fällen kann es auch erforderlich sein, eine zusätzliche Fahrprüfung zu absolvieren.

Vorbereitung auf die zweite Ausbildungsphase

Auch wenn die zweite Ausbildungsphase kein Test im herkömmlichen Sinne ist, kann eine gute Vorbereitung helfen, das Beste aus dem Kurs herauszuholen:

  • Reflexion des eigenen Fahrverhaltens: Denken Sie über Ihre bisherigen Fahrerfahrungen nach. Wo fühlen Sie sich sicher, wo gibt es Unsicherheiten?
  • Auffrischung der Theorie: Lesen Sie nochmals wichtige Kapitel aus der Theorieprüfung, insbesondere jene, die sich mit Gefahrenlehre und Fahrphysik befassen.
  • Fahrzeugkenntnisse: Machen Sie sich mit den grundlegenden Funktionen Ihres Fahrzeugs vertraut, wie z.B. dem Bedienung des ABS oder der Notbremsassistenten, falls vorhanden.
  • Offenheit für Neues: Seien Sie bereit, neue Techniken zu lernen und Ihr bestehendes Wissen zu erweitern.

Wichtige Dokumente

Stellen Sie sicher, dass Sie Ihren Führerausweis auf Probe und gegebenenfalls eine Bestätigung der Fahrschule mitbringen. Informieren Sie sich im Voraus bei Ihrer gewählten Fahrschule über spezifische Anforderungen oder mitzubringende Unterlagen.

Fazit

Die zweite Ausbildungsphase (WAB) ist eine wertvolle Investition in Ihre Sicherheit und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Sie bietet die Möglichkeit, Ihre Fahrfähigkeiten zu verbessern, Risiken besser einzuschätzen und ein verantwortungsbewussteres Fahrverhalten zu entwickeln. Mit einem klaren Verständnis des Ablaufs und der Kosten können Sie diesen wichtigen Schritt in Ihrer Fahrerkarriere gelassen angehen. Vergleichen Sie die Angebote verschiedener Fahrschulen, um die für Sie passende Option zu finden und profitieren Sie von diesem lehrreichen Tag auf der Strasse.

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